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Vollansicht: Tunnelkette Perschling
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Baggerfritz
Hallo zusammen!

Da ich zur Zeit als Techniker auf der Baustelle "Tunnelkette Perschling" beschäftigt bin, möchte ich hier auf die Bitte von Litronic zurückkommen und ein paar Fotos diesem Projekt, das von der Strabag in Österreich zur Zeit abgewickelt wird zeigen.
Zuerst jedoch noch ein paar Eckdaten zu dieser Baustelle: Es handelt sich hierbei um ein Baulos für den Hochgeschwindigkeitsausbau der Westbahn. Es werden 3 Tunnels mit einem Durchmesser von 13,05m gebaut. Sie haben jeder ca. um die 3km Länge. Die Tunnels werden maschinell mittels einer Herrenknecht- TBM aufgefahren. Davor und danach gliedern sich auch Abschnitte die in Deckelbauweise mit Bohrpfahlwänden links und rechts erstellt werden.
Zur Zeit wird der erste Tunnel gebohrt, der Stierschweiffeldtunnel. Danach ist der Reiserbergtunnel dran und zum Schluss der Raingrubentunnel. Die Überstellung der TBM zum Reiserbergt. erfolgt ohne sie zu zerlegen, es werden lediglich die Nachläufer von der TBM getrennt. Die TBM selbst wird mit einem Gewicht von 1400t in einem Stück überstellt. Da wird es dann für unsere Schwerlast- Fans wieder interessant. Doch bevor die TBM ihre Reise durch den 1. Tunnel beginnen konnte, wurde sie durch die LR1750 und die LR1200 von Felbermayr am Portal des Stierschweiffeldtunnels zusammengebaut. Das war auch schon recht spektakulär.
Im Vortrieb selbst läuft leider nicht alles so wie geplant: Im März hat ein Brand die MAschine derart beschädigt, dass erstmal 6 Wochen Reperatur und damit Stehzeit angesagt waren, ein paar Wochen nachdem die Maschine wieder betriebsbereit war, passierte leider der nächste bedauerliche Zwischenfall: Ein Arbeiter kam ums Leben, als er im Schneidrad mit Wartungsarbeiten beschäftigt war.
Doch nun läuft die TBM wieder und es wird Meter für Meter gebohrt. Der Ausbruch fährt den kompletten Weg aus dem Tunnnel über ein Förderband aus, welches vor dem Portal mit einem Förderbandspeicher versehen ist und immer wieder um Rollen von, glaub ich, 250m Länge ergänzt wird.
Leider bin ich in den Vortrieb eigentlich nicht involviert, da meine Arbeit im Bereich des Spezialtiefbaues, genauer gesagt der Bohrpfahlwände liegt. Deshalb bitte ich euch mir zu verzeihen, wenn die eine oder andere Info nicht immer 100% korrekt ist.

So jetzt fangen wir aber mal mit den Fotos an: Hier kann ich heute nur mal mit einem Teil beginnen, da ich im Büro sitze und dir restlichen Fotos aber zuhause hab.

Den Anfang macht mal die Startröhre welche vorher mittels Tunnelbagger ausgebrochen wurde und von der die TBM dann den Vortrieb begann:

Am 2. Foto Sieht man schon erste Ansätze vom 1. von 2 Nachläufern
Baggerfritz
Was ich noch vergessen habe: Die Schildwiege wurde nicht betoniert, sondern aus Stahl gefertigt und mit der LR1750 eingehoben um bei allen 3 Tunnels wiederverwendet werden zu können. Auch dazu werden noch Fotos kommen.

Zurück zu den Fotos: Hier ist der Platz vor dem Tunnelportal zu sehen, wo die TBM- Teile zwischengelagert, und auch die TBM zusammengebaut wurde.
Baggerfritz
Der erste Transport mit Schneidrad- Teilen:
Baggerfritz
Das ist das schwerste einzuhebende Teil: Der ca. 250t wiegende Schneidradantrieb. Diesen hatte die LR1750 auf 30m Ausladung einzuheben. Darum auch die Ausrüstung mit Ballastwagen und zusätzl. Pedestal- Abstützung, wie ihr übrigens im Felbermayr LR1200 Thread sehen könnt.
Hier der Link dazu:
KLICK
Baggerfritz
Bild 1: Die LR1750 beim Zusammenbau der TBM
Bild 2: Die ersten Teile der TBM sind schon verbaut, der Schneidradantrieb folgt als nächstes Bauteil.
Baggerfritz
Bild 1: Erste Teile des riesigen Schneidrades hängen bereits am Kran.
Bild 2: Der Schildscwanz wird eingehoben. Gut zu sehen ist hier der Druckring mit dem sich die TBM im Vortrieb auf den Tübbingen abstützt.
Baggerfritz
So, da ich jetzt weitere Bilder von zuhause mithabe, geht es jetzt hier weiter!

Erstmal ein Nachtrag: Passt jetzt nämlich chronologisch nicht zu den vorigen Bildern dazu.
Den Anfang macht der Bau der Startröhre, welche nach der "Neuen österreichischen Tunnelbauweise" vorgetrieben wurde. Am ersten Bild wird der gerade ausgebrochene Bereich mit Spritzbeton verkleidet. Der Radlader ist übrigens ein Liebherr L551T, der Spritzbüffel ist von Putzmeister und die Hubarbeitsbühne basiert auf einem alten Liebherr A921.
Am 2. Bild ist der Atlas-Copco Bohrwagen zu sehen, der die Spritzbetonschale zu verankern hatte.
Baggerfritz
Hier ist der Tunnelbagger zu sehen, ein Liebherr R932. Irgendwie find ich dieses Foto echt schön, auch der Himmel und so....
Baggerfritz
Nun folgen 3 Bilder vom Aufbau der LR1750 von Felbermayr.
Baggerfritz
Noch eins
Baggerfritz
Naja, eins geht noch!
Baggerfritz
Die Schildwiege, welche wie schon weiter ober beschrieben, aus Stahl gebaut wurde
Baggerfritz
Zurück zur TBM selber: Hier ist das Bohrschild schon fast fertiggestellt. Gut zu erkennen ist der Tübbingerektor.
Baggerfritz
Bild 1: Einer der beiden Nachläufer welche parallel zur TBM selbst zusammengebaut wurden, hauptsächlich mit dem LTM1045 3.1 der Strabag. Bei schwereren Teilen half auch die LR1200 mit.
Bild 2: Die TBM, es ist sogar schon das Schneidrad fertig montiert.
Baggerfritz
Der 1. Nachläufer wurde dann hinter die TBM geschoben und wartet darauf angebaut zu werden
Baggerfritz
So, jetzt noch 2 Fotos des fertigen Schneidrades. Am 2. bin übrigens ich auch drauf biggrin.gif
Ist echt ziemlich riesig, das Gerät!
Baggerfritz
Bild 1: Der Förderbandspeicher, in dem durch eine flaschenzugähnliche, mehrfache Umlenkung des Fördergurtes einige hundert Meter Gurt gespeichert werden können.
Bild 2: Eine Rolle Fördergurt zum Verlängern, ich glaube es sind 250m.
Baggerfritz
Die ersten Meter sind schon gebohrt, auch der 1. Nachläufer ist bereits im Tunnel verschwunden
Holger
Wahnsinn dieser Aufwand! kreisch.gif
Wie lange dauert es vom ersten Spatenstich bis zum "Anlassen" der TBM?
Wie lange dauert es, nur die TBM aufzubauen?

Und wie funktioniert diese Schneidevorrichtung?
Wie schnell kommt die TBM voran?
Macht das Ding sehr viel Krach?
Wie sieht es mit Vibrationen aus?

Gruss
Holger
Baggerfritz
Mit diesen LKWs werden die Tübbinge in den Tunnel gefahren. Die Besonderheit an diesen Fahrzeugen ist, dass es eigentlich Sattelschlepper sind, jedoch aber durch Zusammenschieben des Aufliegers starr mit der Zugmaschine verbunden werden können um rückwärts in den Tunnel fahren zu können. Der vordere LKW auf dem Bild ist zusammengeschoben, also starr. Der hintere ist ausgefahren, fährt also als Sattelschlepper.
Baggerfritz
ZITAT(Holger @ 12.07.06 - 14:57) *

Wahnsinn dieser Aufwand! kreisch.gif
Wie lange dauert es vom ersten Spatenstich bis zum "Anlassen" der TBM?
Wie lange dauert es, nur die TBM aufzubauen?

Und wie funktioniert diese Schneidevorrichtung?
Wie schnell kommt die TBM voran?
Macht das Ding sehr viel Krach?
Wie sieht es mit Vibrationen aus?

Gruss
Holger


Hallo Holger!
Ja der Aufwand für so einen maschinellen Vortrieb ist schon beträchtlich! Trotzdem war die Strabag mit dieser Variante Bestbieter, auch gegenüber Firmen die den Ausbruch der 3 Tunnels mit der "NÖT" angeboten haben.

Der Aufbau der TBM dauerte 1,5 Monate. Die Baustelle selber lief vor dem Andrehen der TBM schon einige Monate.

Das Schneidrad ist mit Rollenmeißeln besetzt die das Gestein durch die scharfen Meißeln und den großen Andruck aus der Ortsbrust herausbrechen/-schneiden. Das Schneidrad selbst dreht sich eigentlich relativ langsam um die eigene Achse.

Die geplante Vortriebsgeschwindigkeit waren 20m in einer 12 Stunden- Schicht. Es war geplant pro Tag nur 12h zu bohren und die restlichen Std. für Wartungsarbeiten zu nutzen. Da diese Vortriebsgeschwindigkeiten aber nicht erreicht werden konnten, wurde auf 3-Schicht Betrieb rund um die Uhr umgestellt.

Ich war leider noch nie im Tunnel beim Vortrieb dabei, aber es dürfte schon ziemlich laut dort sein. Von aussen hört man jedoch nichts.
Die Vibrationen halten sich eigentlich in Grenzen, da ja nichts gemeißelt oder gesprengt wird, sondern die TBM das Material kontinuierlich aus dem Berg herausschneidet. Das durch die TBM gewonnene Ausbruchmaterial selbst ist auch relativ fein, max. wie Sand und Schotter.

Ich hoffe ich hab dir deine Fragen einigermaßen beantworten können! Wenn nicht schreib halt einfach wieder biggrin.gif

Schönen Tag noch,
Glück auf,
Fritz
Baggerfritz
So weiter mit den Bildern:
Hier ist unser kleiner Handhubwagen zu sehen, gleich als er noch werksfrisch auf der Bst. ankam. ein echt cooles Gerät. top.gif
Baggerfritz
Hier ist er schon bei seiner Arbeit, dem Tübbinge von Straßen- LKWs aufs Lager und von dort auf die Tunnel- Fahrzeuge laden. Einen vollen Sattelschlepper Tübbinge entlädt er mit einem Hub! shades.gif
Ist übrigens ein Linde H420 mit 42t Traglast. biggrin.gif
Baggerfritz
So, das letzte Bild für heute ist wiedermal von der TBM: Vorne ist der 1. Nachläufer zu sehen, danach der 2.
Daneben übrigens die heilige Barbara, so wie sie vor jedes Tunnelportal gehört.
Holger
Moin Fritz,

vielen Dank! klatsch.gif
Wie wird denn das Ausbruchmaterial raustransportiert?

Wie lange halten denn diese Schneidevorrichtungen (Rollenmeißeln)? Aus welchem Material sind sie?

ZITAT
Ich war leider noch nie im Tunnel beim Vortrieb dabei, aber es dürfte schon ziemlich laut dort sein. Von aussen hört man jedoch nichts.

Finde ich erstaunlich. Wenn man bedenkt, dass dieses Monster den Berg zerschneidet ...

Wie dicht dran stehen die Maschinenführer? Ich vermute mal dass man nicht vorne stehen kann, wenn das Gerät läuft. blush.gif Oder wird alles per Video überwacht?

/Holger
Baggerfritz
ZITAT(Holger @ 13.07.06 - 08:37) *

Moin Fritz,

vielen Dank! klatsch.gif
Wie wird denn das Ausbruchmaterial raustransportiert?

Wie lange halten denn diese Schneidevorrichtungen (Rollenmeißeln)? Aus welchem Material sind sie?
Finde ich erstaunlich. Wenn man bedenkt, dass dieses Monster den Berg zerschneidet ...

Wie dicht dran stehen die Maschinenführer? Ich vermute mal dass man nicht vorne stehen kann, wenn das Gerät läuft. blush.gif Oder wird alles per Video überwacht?

/Holger


Hallo!

Das Ausbruchmaterial wird über ein Förderband aus dem Tunnel gefahren. Auf den Bildern vom Schneidrad siest du am Rand in regelmäßigen Abständen Öffnungen. Dort wird das Material aufgenommen und durchs Schneidrad auf ein Förderband geschüttet, welches seinen Anfang in der Radnabe hat. Dann gehts auf dem Band duch den ganzen Tunnel ins Freie.

Die Rollenmeißeln sind aus Hardox- Stahl, aber wie lange die halten weiß ich ehrlichgesagt nicht.

Die ganze Maschine geht computergesteuert, der Maschinenführer sitzt in einer Kabine von der aus er außer ein paar Bildschirme eigentlich nichts sieht. Viedeoübertragung gibts auch in der TBM, ja. Wirklich genau kenn ich mich da nur leider auch ned aus....
tunnelmani
Hallo Holger

Wie lange ein Rollenmeissel hält hängt von der Festigkeit/Härte des abzubauenden Gesteins ab.
Bei der Lötschberg-TBM ( harter Granit und Gneis ) und auch im Gotthard gab es Meissel die hielten nicht mal einen Tag, so hart war das Gestein. Ein Bohrhub von 2m hat dann gut und gerne bis über 2 Stunden gedauert.
Bei der Islisberg-TBM hingegen ( Sandstein und Mergel ) war der Verschleiss der Rollenmeissel in der Regel so gering dass die Meissel meistens nur gewechselt werden mussten weil die im Meissel eingebauten Rollenlager ihren Geist aufgegeben haben und die Meissel dann blockierten und einseitig abgeschliffen wurden. Da dauerte ein Bohrhub von 2m "nur" etwa 40-50 Minuten.
Zur Lärmbelästigung :
Auf einer Hartgesteinsmaschine wie am Lötschberg oder Gotthard ist der Lärm zuvorderst auf der TBM Ohrenbetäubend nicht zuletzt wegen den Ankerbohrgeräten, wer je schon mal dort war weiss wovon ich rede.
Bei einer Schildmaschine in weicherem Gestein ist die Lärmbelastung um einiges geringer, man kann dort vorne ohne weiteres noch miteinander sprechen was auf einer Hartgesteins-TBM während des Betriebs unmöglich ist. Bei Schildmaschinen relativ Lärmintensiv sind die Ventilatoren ( Bewetterung ) und die Entstaubungsanlage.
Der Steuerstand einer TBM ist meistens auf dem 1. Nachläufer hinter der TBM untergebracht, mit Blick zur Schildrückseite. Bildschirme mit Videokamerabildern sind vorhanden, meistens von den kritischen Uebergabestellen der Ausbruchförderbänder.
Die Vibrationen bei einer Hartgesteins-TBM sind enorm, da wird man richtig durchgeschüttelt. Bei einer Schildmaschine in weicherem Gestein oder in Sedimenten sind die Vibrationen um vieles kleiner.
Ich hoffe dass ich einige Fragen beantworten konnte.
Sollten noch mehr Fragen auftauchen bin ich gerne bereit diese zu beantworten.

Gruss und "Glück Auf"

Manfred
Holger
Danke für eure Antworten! Sehr intressant!
BMTIler
War auch da......
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